Freitag, 29. Mai 2015

Julias SUB im Mai


Hin und wieder mache ich mir Sorgen, ob meine Bücherstapel nicht umfallen alles unter sich begraben. Derzeit ist nicht die Anzahl der Bücher das Problem, sonder das einige sehr seitenstarke Exemplare dabei. Natürlich hindert mich das nicht daran noch weitere Bücher und Lesetipps auf meine Liste oder den Stapel aufzunehmen. Die Anregung für Conan Doyle habe ich schon aus Sigrids SUB übernommen und freue mich schon darauf mich mit ihr dazu auszutauschen. 

SUB (= Stapel ungelesener Bücher) 
- Anne Brontë: Agnes Grey 
- Arianna Hufington: Die Neuerfindung des Erfolgs. Weisheit, Staunen, Großzügigkeit – was uns wirklich weiterbringt 
- Ian McEwan: Solar 

SAB (= Stapel angelesener Bücher) 
- Arthur Conan Doyle: The Complete Novels and Stories Volume I (Die 1000 Seiten sind vollgepackt mit tollen Fällen und dann folgt Band 2)
- Kathryn Stockett: The Help 
- Ann und Jeff Vandermeer (Ed.): The Time Traveller’s Almanac: The Ultimate Treasury of Time Travel Stories (800 Seiten Zeitreisen, vom bekannten Klassiker bis hin zum Geheimtipp sind die besten Geschichten versammelt)

von Julia

Dienstag, 26. Mai 2015

»Und wie seht ihr das?« - »Erklärt Pereira« von Antonio Tabucchi, Teil II

In unserer Rubrik »Und wie seht ihr das?« wollen wir euch unsere Literaturclub-Treffen näher bringen: In Interviewform werden wir euch Fragen und Meinungen präsentieren, die wir so in geselliger Runde an- und ausdiskutiert haben und so gleichzeitig auch die Werke besprechen, die wir lesen.

Ist Pereira eine politische Figur, bzw. seine Wandlung im Laufe des Romans glaubhaft?
Freya Pereira ist vielleicht zunächst das, was viele Menschen in der Gesellschaft sind. Er möchte sich eigentlich aus allem möglichst heraushalten, keinen Ärger haben und keinen Ärger machen, aber in ihm klopft das Gewissen an, seine Moral, seine Menschlichkeit und die Tatsache, dass politisches und privates aufeinanderprallen. In Pereiras Fall  verleitet ihn dies letztendlich dazu, zu einem politisch-handelnden Menschen zu werden. Glaubhaft finde ich das auf der einen Seite schon, da Pereira für mich eine sehr erfolgreich dargestellte Romanfigur ist. Ich bin mir aber nicht sicher, ob ich immer noch so denke, wenn ich Pereira gedanklich in die reale Welt versetze. Es wirkt am Ende ein wenig so, als würde Pereira aus sich selbst heraustreten, vielleicht auch aus der Erzählung heraustreten, und das phlegmatische, Omelette- und Zuckerlimonade-liebende Ich, was wir zuvor die ganze Zeit erlebt haben, zurücklassen. Im Rahmen der Fiktion finde ich das glaubhaft, aber vielleicht nicht unbedingt realistisch.

Johannes Pereira ist für mich nicht eindeutig politisch in seinem Handeln. Am Anfang des Buches ist er betonend apolitisch, und sein späteres Handeln, insbesondere am Ende des Buches ist meiner Meinung nach vor allem von einem Drang nach Freiheit motiviert, insbesondere Freiheit der Kultur und der Presse. Unter den Umständen Portugals zu seiner Zeit ist dies natürlich sehr politisch.

Julia Für mich ist Pereira ein sehr gutes Beispiel einer Figur, die im Laufe der Handlung zu einer politischen Figur wird. Es wird ziemlich nachvollziehbar deutlich, wie eine Person, die sich selbst für unpolitisch hält, aufgrund der Umstände und den Ereignissen, der sie sich nicht verschließen kann, sich politisiert. Es ist ein interessantes Beispiel für die mutige Tat eines Einzelnen, der mit den Gegebenheiten nicht mehr leben kann. Sein Akt des zivilen Ungehorsams steht beispielhaft für die Taten von vielen in Portugal, die leider nicht gewürdigt wurden (konnten).

Sigi Ich glaube, er ist von Anfang an eine politische Figur. Auch wenn er es zu Beginn nicht wahrhaben oder offen zugeben möchte. Es ist ein Buch, das wunderbar zeigt, dass sich kein Bürger dem politischen Leben entziehen kann. Aufgrund der Form kann man aber auch nicht genau sagen, ob er sein Engagement verschweigt und herunterspielt, sich also in einem möglichen Verhör herausredet, oder ob er tatsächlich so absichtlich wenig involviert ist und wirklich versucht hat, sich trotz der Konfrontationen herauszuhalten. Das bleibt offen und dem Leser überlassen…ich glaube, auch aufgrund der Form, dass er von Beginn an politischer war, als er selbst beschreibt.

Was mochtet ihr besonders/gar nicht an dem Buch?
Freya Den Erzähl- und Schreibstil, die kuriosen Angewohnheiten der Hauptfigur, den Feinsinn des Autors, mit dem er dem Leser die politische Botschaft nahebringt. Schlecht fand ich an dem Buch eigentlich gar nichts.

Johannes Besonders an diesem Buch gefiel mir die sehr realistische Beschreibung des Lebens in Portugal, und die Erwähnungen von geschichtlich relevanten Autoren und Werken die zusammen eine schöne Reise durch die Literaturgeschichte ergeben und sehr einschlägig die Charaktere und Situationen untermalt.

Julia Mir gefielen besonders die Erzählweise und die behutsame, graduelle Wandlung von Pereira. Der Stil, der nach einer Protokollaufzeichnung klingt, ist besonders und macht das Lesen interessanter. Hin und wieder wären ein paar mehr Informationen zu Pereira und seinem früheren Leben schön gewesen, aber insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen.

Sigi Ich mag es sehr, dass das Buch so gut konstruiert ist und die Form dennoch beim Lesen so mühelos wirkt. Man kann spielerisch mit dem Buch umgehen, man wird zum Detektiv, informiert sich, blättert nochmal zurück und kombiniert. Wo sagt er was, warum? Und warum sagt er etwas nicht, warum lässt er dies komplett aus? Sehr spannend und irgendwie interaktiv. Wunderbar geschrieben.

von Lisa

Tabucchi, Antonio: Erklärt Pereira, dtv, München 1997 
www.dtv.de
 

Samstag, 23. Mai 2015

»Und wie seht ihr das?« - »Erklärt Pereira« von Antonio Tabucchi, Teil I

In unserer Rubrik »Und wie seht ihr das?« wollen wir euch unsere Literaturclub-Treffen näher bringen: In Interviewform werden wir euch Fragen und Meinungen präsentieren, die wir so in geselliger Runde an- und ausdiskutiert haben und so gleichzeitig auch die Werke besprechen, die wir lesen.

Hat der Roman das gehalten, was ihr euch unter dem Titel vorgestellt habt?
Freya Ich weiß gar nicht, was ich mir unter dem Titel vorgestellt habe. Eigentlich gar nichts. Klar, man konnte mutmaßen, dass es sich um eine Art Rechtfertigung, Bericht oder Zeugenaussage handelt, aber das habe ich zunächst gar nicht so reflektiert. Vom Stil her und von der Atmosphäre in der Geschichte hat es zu meinen Erwartungen gepasst.

Johannes Da ich komplett blind an das Buch herangegangen bin, hatte ich auch keine konkreten Vorstellungen über das Buch. Von daher kann ich diese Frage nicht wirklich beantworten.

Julia Eigentlich konnte ich mir unter dem Titel nicht besonders viel vorstellen. Ich war mir nicht sicher, ob eine Person namens Pereira etwas erklärt oder die Figur Pereira und ihre Handlungen von einer anderen Person erklärt werden. Daher war ich für beides offen und da eine der beiden Versionen tatsächlich den Inhalt recht gut beschreibt, war ich nicht überrascht.

Sigi  Ehrlich gesagt, ich war positiv überrascht. Denn Pereiras Erklärungen sind nicht etwa eintönig oder simpel strukturiert, und somit auch nicht ausschließlich inhaltlich interessant und relevant. Die Form der Erzählung ist gleichzeitig sehr wichtig und tritt dennoch beim Lesen in den Hintergrund, sodass sich das Werk sehr einfach lesen lässt. Das Wichtige steht zwischen den Zeilen und das macht das Buch formal und inhaltlich interessant.

Findet ihr, dass Pereira gut erklärt hat?
Freya Auf jeden Fall. Der Roman bzw. seine Übersetzung ist unheimlich gut geschrieben, der Text ist anspruchsvoll, aber gleichzeitig ist das Lesen absolut mühelos und entspannt. Pereira wird dargestellt als zunehmend komplexe Figur.  Die Erzählungen sind mit vielen kuriosen und liebevollen Details gespickt, was den Bericht intimer erscheinen lässt. Man hat also das Gefühl, einer Erzählung zu lauschen, bei der einem nach und nach bewusster wird, welch Ernst und welche Tragik dahinter steckt. Und man ist sich weder ganz sicher, worauf die Geschichte hinauslaufen wird, noch für wen man als Leser steht. Soll man sich in der Rolle eines Polizisten oder Richters sehen? Eines Anwalts? Oder eines Freundes?

Johannes Definitiv! Pereiras Schilderungen über Portugal unter dem Regime von Salazar sind äußerst realistisch gehalten, und lassen einen direkt in seine Welt eintauchen.

Julia Das man nicht wusste, wer der Adressat der Erzählung ist, hat einen sehr für Pereira eingenommen. Vor allem die Art wie er etwas nicht erzählt hat, fand ich sehr interessant. Immer wieder sprach er z.B. seine Träume an, wandte jedoch ein, dass es nicht zum Thema gehöre. Auch  seine frühere Tätigkeit als lokaler Journalist wird immer nur angeschnitten und macht damit auf diese Figur sehr neugierig. Trotzdem kann man seiner Entwicklung gut folgen und man „hört“ ihm gerne zu.

Sigi Pereira erklärt sehr gut. Denn das Wichtigste erklärt er – zumindest erstmal – nicht. Und das ist sehr gut umgesetzt, weil das nicht Gesagte die Erzählung genauso charakterisiert wie das Gesagte. Wunderbar wird das Buch dadurch, dass es man diese Konstruiertheit nicht spürt, da man es sehr gut durchlesen kann. Aber man braucht Fantasie und Hintergrundwissen, um der Aussage des Buches auf die Spur zu kommen.

von Lisa

Tabucchi, Antonio: Erklärt Pereira, dtv, München 1997 
www.dtv.de

Dienstag, 19. Mai 2015

Rezension »Lifelogging.Wie die digitale Selbstvermessung unsere Gesellschaft verändert« von Stefan Selke


»So wie die Uhren den Lebensrhythmus in abgrenzbare Bereiche zerlegten und Zeitzonen definierten, so zerlegt Lifelogging die komplette Lebensführung in vergleichbare Messzonen.« Stefan Selke

Unter ‚Lifelogging‘ versteht man die Erfassung des eigenen Lebens durch digitale Hilfsmittel. Dies umfasst die Aufzeichnung der bei der letzten Jogging-Runde gelaufenen Strecke, bis hin zu einer ständigen Protokollierung des eigenen Lebens. Nicht erst mit der Testphase von Augmented Reality-Brillen mit der entsprechenden Aufnahme-Option digitalisieren Menschen ihr Leben und ihre Umgebung, sondern auch mit vielen Apps und elektronischen Geräten. Diesen Trend mit seinen Vorteilen und Risiken zu untersuchen, hat sich Stefan Selke mit seinem Buch vorgenommen.

Lifelogging wird derzeit hauptsächlich freiwillig betrieben, um das eigene Leben zu kartographieren und zu verbessern. Viele Apps, Geräte und Systeme zeichnen Sportaktivitäten, Mahlzeiten und andere Tagesgewohnheiten auf, mit dem Ziel ‚Schwächen‘ aufzudecken und das eigene Leben zu optimieren. Zum anderen dient es der Darstellung des eigenen Lebens nach außen. Viele Ereignisse, groß oder klein, werden mit Bildern festgehalten oder per Video aufgezeichnet und mit anderen geteilt, um sie festzuhalten und sich zu bestätigen. Die (meistens unfreiwillige) Form des Lifelogging ist das Hinterlassen von Datenspuren durchs Surfen im Internet, der Nutzung des Smartphones oder durch Überwachung öffentlicher Räume (meist zur Sicherheit). Dies hinterlässt digitale Spuren zu Verhalten, Interessen und Bewegungsmustern.

Im Buch wird klargestellt, dass es in bestimmten Situationen durchaus hilfreich sein kann Lifelogging zu betreiben. Neben der Selbstvergewisserung und einem guten Lebensgefühl, kann es helfen die Lebensqualität zu verbessern, z.B. in Krankheitsfällen. Verfolgte Personen können durch eine ständige protokollierte Präsenz ihr Leben schützen und Gewalttaten können einfacher aufgeklärt werden.

Selke macht jedoch deutlich, dass die Entwicklung viel verspricht, dass sie nicht halten kann. Datenspeicherung ist nicht einfach und eine Menge an Daten gibt weder automatisch Sinn, noch muss es hilfreich sein. Lifelogging kann unter Druck setzen durch das Nicht-Erreichen von Zielen oder im direkten Vergleich zu Anderen. Ständige Aufnahmen alles Umgebenden reduziert die Privatsphäre der aufnehmenden und umgebenden Personen und das eigentliche Erleben rückt in den Hintergrund. Dazu kommt der Zwang, der durch das ständige Überwachen entstehen kann. Viele Programme werden derzeit noch als freiwillig angeboten, aber ökonomischer Druck kann zu veränderter Wahrnehmung führen. Lebensoptimierung wird zum Zwang und jede/r der/die sich nicht anpassen oder sein Leben nicht rückhaltlos veröffentlichen kann oder will, wird ausgeschlossen. Damit entstehen neue Gesellschaftsklassen, in der Solidaritätssysteme nicht zählen und die Unschuldsvermutung nicht mehr gilt.

Insgesamt gibt Selke einen sehr guten Überblick und macht auf Probleme aufmerksam, die häufig übersehen werden oder von technologischer Logik überdeckt werden. Er macht deutlich, dass sich die Menschen nicht der Technik, sondern diese sich dem menschlichen Leben anpassen sollten. Seine Thesen sind sehr kritisch und stellen ein Gegengewicht zur Ideologie einer rückhaltlosen Technisierung dar, die beachtet und zum Diskurs anregen sollten.

Stefan Selke: Lifelogging.Wie die digitale Selbstvermessung unsere Gesellschaft verändert, Econ Berlin 2014

von Julia 

Donnerstag, 7. Mai 2015

Gratis Comic Tag am 9. Mai


‚Ich lese‘ muss nicht immer bedeuten, dass man vor einer weißen Seite mit schwarzen Lettern sitzt. Spätestens seit dem Erscheinen von Wilhelm Buschs Max und Moritz vor 150 Jahren ist klar, dass Text und Zeichnungen hervorragend zusammenpassen können. 
Seither hat sich viel getan im Bereich der Comics, Cartoons und Graphic Novels. Um diese Entwicklung und die Vielfalt, neben Max und Moritz, Asterix und Co., einem breiten Publikum sichtbar zu machen, haben sich viele Comicverlage in Deutschland, Österreich und der Schweiz für den Gratis Comic Tag zusammengeschlossen. 
Am 09. Mai werden in den teilnehmenden Comicläden und Buchhandlungen Comics, die zum Teil nur für diesen Tag produziert wurden, verteilt. Zur Auswahl stehen über 34 verschiedene Comic-Hefte für LeserInnen jeden Alters und verschiedenster Interessen. Als Highlights gelten:

Reinhard Kleist - Backstage  seine Comicreportage aus einem Flüchtlingscamp im Irak 
U-Comix: Mehr Licht! eine Sammlung von 15 Short Stories von Deutschlands Indie-Elite, die sich das UNESCO-"Jahr des Lichts 2015" als Thema gesetzt haben 
Peanuts stellt die neue Comicreihe um den ewig trübsinnigen Charlie Brown und seine Freunde vor 
Don Quixote als fantastische und eigensinnige Neuinterpretation des Literaturklassikers   
Ariol ein Kindercomic aus Frankreich 

Eine Übersicht über alle Comics für die Aktion, sowie die teilnehmenden Händler findet man auf online auf der Seite des Gratis Comic Tag
Falls Sie/Ihr schon immer mal in den Bereich Comics und Co. reinschauen wolltet, ist dies eine tolle Gelegenheit. 

von Julia